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Sicherheit aus Deutschland

Tatort Deutschland

Deutschland wird immer öfter zum Tatort von Cyberkriminalität. Für Ihre IT-Sicherheit sollten Sie einen Blick auf den heimischen Markt werfen: Die deutsche Sicherheitsszene hat den Ruf, besonders zuverlässig und vertrauenswürdig zu sein.

Stefanie Heyduck

Der typische Deutsche ist ernsthaft, schwerfällig und langweilig? Falsch: Dass sie im Ausland nicht beliebt sind, glauben nur die Deutschen selbst. Tatsächlich haben sie, vor allem wenn es um Entwicklung und Sicherheit geht, einen guten Ruf. Sie gelten als fleißig, gründlich und ehrlich und sind bekannt für ihre Strebsamkeit, Ordnungsliebe und Zuverlässigkeit.

Auch die deutsche Security-Szene hat weltweit ein gutes Image. Deutsche Sicherheitstechnologien stecken etwa in Banknoten und Reisepässen. Das Markenzeichen "Made in Germany" wird in der IT-Sicherheitsbranche mehr und mehr zum Güte- und Qualitätssiegel, besonders seitdem Gerüchte laut werden, dass amerikanische und israelische Hersteller ihren Geheimdiensten Hintertürchen einbauen. Auf einigen Gebieten, etwa bei der Verschlüsselung, kann Deutschland sogar die Technologie-Führerschaft für sich in Anspruch nehmen, womit der "Standort D" in den letzten Jahren deutlich Boden gut machen konnte. Mit Sicherheitsthemen und Datenschutzgesetzen hat gerade der deutsche Markt langjährige Erfahrung. Traditionell ist das Sicherheitsbewusstsein stark ausgeprägt.

Deutschland als "Ingenieurland", als das es wahrgenommen wird, punktet im internationalen Vergleich auch mit der ausgereiften Entwicklung der Produkte. Während Amerikaner stereotypisch eher pragmatisch arbeiten, gilt hierzulande die deutsche Gründlichkeit. "Ausländische wie inländische Unternehmen bringen deutschen Sicherheitsunternehmen ein hohes Vertrauen entgegen. Vertrauen heißt, dass die Unternehmen sicher sind, dass das Produkt (Software/Hardware) nur die Funktionen hat, die auch beschrieben sind, und zum Beispiel keine 'versteckten Hintertüren' für einen externen Zugriff vorhanden sind. Insbesondere werden sowohl die Open-Source- als auch die Trusted-Computing-Debatte in Deutschland von anderen Ländern (Regierung/Unternehmen) verfolgt; hieraus ergab sich schon die ein oder andere Auswirkung auf die Sicherheit von Standardprodukten", berichtet Dr. Sandra Schulz, Leiterin des Giesecke & Devrient-Büros in Berlin.

Spezielle Qualifikation

Sicherheit made in Germany: Der Tatort ist nach fast 27 Jahren und über 650 Folgen zum deutschen Klassiker geworden - genau wie der Vorspann.

Die Global Player, die das Geschehen im internationalen Geschäft mit der Angst dominieren, kommen noch immer aus Amerika. Die deutsche IT-Sicherheits-Industrie hat sich unterdessen in den Marktnischen niedergelassen und dabei zu einem Spezialisten entwickelt, etwa im Bereich Verschlüsselungs- und Hochsicherheitstechnologie.

Durch die strenge Gesetzgebung beim Datenschutz haben die Anbieter ein hohes Niveau an Sicherheit, das auch die Standards anderer Länder abdecken kann. So gehört Deutschland auch zur Führungsriege bei Smartcards, Public-Key-Infrastrukturen, elektronischen Signaturen, Biometrie und Kryptologie. Walter Schumann, Vice President Sales and Marketing EMEA der Astaro AG, fügt hinzu: "Man darf nicht unterschätzen, dass Deutschland gerade im Open-Source-Umfeld, das auch für die IT-Sicherheit Maßstäbe setzt, eine Vorreiterrolle eingenommen hat."

Aus der strengen Gesetzgebung resultiert ein hoher Qualitätsanspruch, was die Innovationskraft fördert. Deutsche Ingenieure sind beinahe berüchtigt für ihre Expertise in der Lösung komplexer Szenarien.

Die Achillesferse

IT-Sicherheit made in Germany ist natürlich nicht die Lösung zur Errettung aller Netzwelten. Oft bleiben gute Ideen und Lösungen auf der Strecke. Verantwortlich dafür ist zum einen der vielfach bemängelte Fachkräftemängel, erklärt Frank Heisler, Vorstand der G DATA Software AG. Das mache nicht nur dem Sicherheitssektor, sondern der gesamten IT-Branche Schwierigkeiten. Hochschulabsolventen mit praxisrelevantem Fachwissen sind Mangelware - mit Konsequenzen: "Dies hemmt natürlich das Entwicklungspotenzial deutscher IT-Unternehmen. Auf der anderen Seite häufen sich Meldungen über schlechte Erfahrungen mit Outsourcing in Billigländer."

Deutliche Defizite bestünden ebenfalls in der erfolgreichen internationalen Vermarktung deutscher Lösungen. Andere Nationen klappern lauter. Mehr Marketing-Aktivität und Exportinitiative ist eine Anforderung, die auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede zur CeBIT 2006 erhoben hat.

"In Deutschland ist eine gewisse Skepsis gegenüber Innovationen aus Deutschland festzustellen, da ja bekanntlich der Prophet im eigenen Land wenig zählt", bedauert Thorsten Scharmatinat, Key Account Manager bei der itWatch GmbH. Diese Entwicklung, gepaart mit mangelndem Selbstbewusstsein und deutschem Regulationsdrang, wirkt sich zum Nachteil aus. Beispielhaft ist das Signaturgesetz, das die elektronische Signatur überreguliert. Auch der deutsche VoIP-Markt kam aus diesen Gründen in den letzten Jahren nur mühsam in Fahrt.

Nachholbedarf scheint im Bereich Security-Hardware zu bestehen, gibt Lars Wittler, Vertriebsleiter der com2 GmbH zu Bedenken: "Appliances, Token und auch Router sind fest in ausländischer Hand. Der Bereich der Virenbekämpfung ebenfalls. Auch hier können deutsche Firmen verlorene Posten zurückerobern."

"Eine der größten Schwächen der IT-Sicherheit in Deutschland besteht darin, zu glauben, dass sich die technisch beste Lösung durchsetzt. Die technische Komplexität heutiger Lösungen übersteigt aber längst die meist spontane Entscheidungsnotwendigkeit beim mittelständischen Kunden," fügt Scharmatinat hinzu.


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