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![]() Für Open Source gibt es keinen Support, heißt es oft. Falsch: Entweder steht hinter solchen Anwendungen ein kommerzielles Unternehmen, das gemeinsam mit Partnern das eigene Produkt betreut. Oder IT-Dienstleister kümmern sich um alles vom Helpdesk bis zu individuellen Anpassungen. Claus Graßl Viele Open-Source-Werkzeuge und -Produkte sind von einer sehr hohen Qualität und stellen eine wirkliche Alternative zu lizenzpflichtigen Produkten dar", lobt Michael Beutner, Geschäftsführer Technik bei der ConSol* Software GmbH aus München. Das IT-Beratungs- und Software- Haus mit rund 150 Mitarbeitern ist Spezialist für die Entwicklung, Integration und den Betrieb komplexer IT-Systeme und bietet seit 1984 Lösungen aus einer Hand - etwa in den Bereichen Betriebssysteme, Netzwerke, Datenbanken und Web Services. Mittlerweile sind Lösungen, die ganz oder teilweise als Open Source laufen, neben proprietärer, an Hersteller gebundener Software ein unentbehrlicher Bestandteil des Portfolios. Beutner präzisiert: "Natürlich existiert nicht für alle Projekte und Produkte eine ausreichend leistungsfähige Open-Source-Alternative. In vielen Fällen kann jedoch - begleitet durch professionellen Open-Source- Support, Consulting und Training - eine lizenzfreie Lösung erfolgreich eingeführt werden, beispielsweise ein Apache Web Server, JBoss oder Linux. Gerade im Bereich des Monitoring von IT-Landschaften beobachten wir einen starken Trend hin zu Open-Source-Lösungen wie Nagios anstelle von lizenzpflichtiger Software." Nagios steht unter der freien Lizenz GNU General Public License (GPL). Das Programm liegt mittlerweile in Version 2.8 vor und ermöglicht es, komplexe IT-Strukturen abzubilden und zu überwachen. Michael Weisbach, Business & Community Leader der Enterprise Linux Services beim Chemnitzer Dienstleister IT-Services and Solutions GmbH (it'), hält sehr viel von dem Systemmanagement-System: "Wir haben gute Erfahrungen mit dem Monitoring-System Nagios gemacht, das sich durch eine hohe Skalierbarkeit, flexible Konfiguration und eine Vielzahl von vorgefertigten Modulen für eine umfassende Überwachung einer Multi-Vendor-Umgebung eignet." Das Systemhaus it' ist mit etwa 1200 Mitarbeitern an bundesweit elf Standorten vertreten und bietet das komlette Dienstleistungs- Spektrum von IT-Beratung bis hin zur Implementierung passgenauer Lösungen an. Die Chemnitzer bedienen ihre größtenteils mittelständische Kundschaft mit Anwendungs-, SAP- und IT-Infrastruktur- Services. Da it' sowohl mit proprietärer als auch mit freier Technologie Geld verdient, richtet man sich nach der Nachfrage. Und die zieht derzeit mächtig an, weiß Weisbach: "Der Mittelstand will mit Open-Source-Lösungen einerseits seine IT modernisieren und andererseits durch die lizenzfreie Software Kosten sparen. Die Open-Source-Gemeinde bietet inzwischen eine Vielzahl von Lösungen an, die weit über das klassische Open-Source-Betriebssystem Linux hinausgehen. Vor allem auch im Bereich der geschäftskritischen Anwendungen verfügt der Markt über ein facettenreiches Angebot an hochwertigen IT-Lösungen. Die offenen Standards der Open-Source-Systeme machen die IT-Infrastruktur auch für zukünftige Anforderungen flexibel und skalierbar. Solche Lösungen sind gerade im Mittelstand gesucht, damit sich die Unternehmen verstärkt auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können, um sich so im nationalen, aber auch internationalen Wettbewerb besser zu behaupten. Es sind also vor allem das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, Flexibilität und die offenen Standards, die bei mittelständischen Unternehmen zur Entscheidung für Open Source führen." Eine Alternative zu Microsoft-ProduktenGefragt sind derzeit vor allem Open- Source-Lösungen für die Server-Konsolidierung sowie Linux als Betriebssystem und Träger für geschäftskritische Anwendungen im Umfeld von ERP und CRM. Denn Linux hat sich auf dem Server etabliert und erlaubt eine Virtualisierung auf vielen Ebenen. Aber auch bei Themen wie Mail und Groupware oder dem Systemmanagement von heterogenen IT-Landschaften setzt der Mittelstand immer häufiger auf Open Source. Derzeit habe Linux, was die Marktanteile auf dem Desktop betrifft, noch nicht alle Erwartungen erfüllt, räumt Weisbach ein. "Was ich aber derzeit bei unseren Kunden beobachte, ist die Entwicklung, dass mittelständische Unternehmen Open Source und Linux als Alternative zu Microsoft-Produkten genau evaluieren. Es geht nicht nur um die klassischen Office-Anwendungen, sondern um unterschiedliche Kategorien von Arbeitsplatzsystemen. Dies können Kassensysteme, Logistik-Arbeitsplätze oder Self- Service-Terminals sein, die heute oftmals bereits unter Linux laufen, ohne dass dies jemand bemerkt." Was sich im Einzelfall auf dem Desktop mit Open Source realisieren lässt, untersuchen die Experten von it' mit Machbarkeitsstudien und Analysen der Anwendungslandschaft. Zwar erobert Linux laut Weisbach den Desktop nicht im selben Tempo wie den Server, aber dafür nachhaltiger. Wer sich einmal am Front End für eine Open-Source-Lösung entschieden habe, bleibe in der Regel auch dabei. "Aus diesem Grund gehen wir von einem wachsenden Markt für Open Source auf dem Desktop aus", fasst Weisbach zusammen. Wie ITK-Entscheider Linux' Zukunft sehenNach einer von TechConsult 2006 publizierten Studie, in der 1185 ITK-Entscheider deutscher Unternehmen ab 20 Mitarbeiter zur künftigen Entwicklung des Linux- und Open-Source-Marktes befragt wurden, setzen 33 Prozent Linux auf dem Server und acht Prozent auf dem Client ein. Dabei ist zu beachten, dass bereits ein Linux-Client in einem 100-Mann-Unternehmen in die Wertung eingeht. Denis Mrksa, Research Analyst bei der TechConsult GmbH, stellt klar: "Der von TechConsult dargestellte Einsatzgrad sagt aus, dass acht Prozent der von uns befragten Unternehmen Linux mindestens auf einem Client laufen haben. Er gibt nicht den Anteil aller Linux-Clients an, die in den Unternehmen im Einsatz sind. Dieser liegt bei etwa vier Prozent." In den meisten Fällen wird Linux auf dem Client überall dort eingesetzt, wo keine speziellen Anforderungen den Einsatz von Windows oder anderen proprietären Betriebssystemen erfordern, so Mrksa. Auch als Server-Based-Computing-Lösung
Zu den Linux-Clients zählen auch Rechner, die im Rahmen von Server Based Computing (SBC) als Ein- und Ausgabegerät fungieren. Die eigentliche Anwendung läuft hier virtualisiert auf einem Server. Nur Bildschirm- Inhalte, Mausklicks und Tastatur-Anschläge werden übertragen. Die Technologie hierzu gibt es derzeit von proprietären Anbietern wie Citrix, aber auch als - noch nicht etablierte - Open-Source-Lösungen. Elegant ist die SBC-Variante, da verschiedene Clients einsetzbar sind: Ein vollwertiger Linux-PC für alle anfallenden Arbeiten kann zugleich als Client für unentbehrliche Anwendungen auf Windows-Basis dienen. Auch Mrksa sieht einen Trend zu Linux als Grundlage der schlanken Rechner: "44 Prozent der CIOs sind der Meinung, Linux- Thin-Clients ersetzen künftig bestehende Terminal Stations - ein Trend, der sich auch aus Analystensicht bewahrheiten und von der Entwicklung des Trends zur Zentralisierung der IT abhängen wird." Insbesondere bei Standard-Arbeitsplätzen werden Desktop-Rechner auf Linux-Basis immer attraktiver. Gegenüber Windows-PCs, die aufgrund ständig steigender Anforderungen der Betriebssysteme alle paar Jahre aufgerüstet oder entsorgt werden müssen, ergeben sich erhebliche Kostenvorteile. Mrksa sieht insbesondere die Open-Source- Winzlinge auf dem Schreibtisch sehr positiv: "Diese Client-Variante wird auch deshalb zunehmend interessanter, weil hier häufig Hardware-Ressourcen alter PCs genutzt werden können sowie ein Strom sparender Betrieb aufgrund niedrigerer Hardware- Anforderungen möglich ist. Hier wird nicht nur der Geldbeutel geschont, sondern die Unternehmen können mit Thin Clients auch im Rahmen der aktuellen Energieverbrauch- Diskussion punkten." Kritische Masse auf dem Desktop erreichtDoch immer wieder versuchen Hersteller proprietärer Software, den Markt zu verunsichern, indem sie Zweifel streuen wie: Sind Open-Source-Lösungen genauso sicher wie proprietäre Angebote? Findet sich bei Problemen jemand, der sich zuständig und verantwortlich fühlt? Und hat Linux auf dem Desktop schon eine kritische Masse erreicht, so dass Firmenkunden sicher sein können, dass das Projekt auch übermorgen noch fortgeführt wird? Die Antwort lautet mittlerweile in allen Fällen: ja. Freie Betriebssysteme wie die BSD-Varianten (Berkeley Software Distribution) und mehr noch Linux sind auf dem Server längst etabliert. Auch für den Desktop sieht es gut aus. Allein mit vier Prozent geschätzter Marktdurchdringung im Firmenumfeld von Deutschland wäre die weitere Existenz gesichert. Hinzu kommen Behörden und Städte wie München und Wien, die ihre Desktops migrieren. Zudem erweisen sich nach Ansicht von IDC Microsofts Attacken gegen Raupkopierer als kontraproduktiv und treiben Kunden zu Linux. Am chinesischen Desktop-Markt steht Linux - wie so oft in Asien - im Wettbewerb mit Windows, das häufig durch Produktpiraterie beschafft wird. Je mehr Knüppel wie Produkt-Aktivierung und OnlineÜberprüfung per WGA (Windows Genuine Advantage) Microsoft einsetzt, desto attraktiver werden dort Linux-Desktops, die mittlerweile einen beachtlichen Marktanteil erobert haben. Zudem fördert Peking das chinesische Red Flag Linux. Auch das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik bezieht mittlerweile klar Stellung: "Besonders die Europäische Union und zahlreiche öffentliche Verwaltungen unternehmen erhebliche Anstrengungen, um den Einsatz von Open Source Software zu fördern. Auch große Konzerne wie etwa IBM, Hewlett Packard oder Sun sind Förderer von Open Source Software und Entwicklungen." Das klare Bekenntnis der Marktgrößen zu Open Source auch auf dem Desktop haben mittlerweile auch als extrem konservativ geltende Konzerne wie Banken, Versicherungen und Automobil-Hersteller begriffen. Anfang 2007 gaben der zweitgrößte Automobil- Hersteller in Europa, PSA Peugeot Citroën, und Novell bekannt, einen mehrjährigen Rahmenvertrag abgeschlossen zu haben, der den Einsatz von bis zu 20000 Linux Desktops sowie 2500 Linux-Servern von Novell vorsieht. Dr. Harald Neumann, OSS & Linux Solution Architect bei IBM, verweist zudem auf den Trend Plattform übergreifender Lösungen und Anwendungen: "Wir erwarten stetig zunehmendes Interesse am Desktop, besser gesagt an Client-Lösungen unter Linux. IBM hat Mitte Februar 2007 weltweit sein Open Client-Angebot für Kunden vorgestellt. Entscheidend sind zwei Dinge: die Entkopplung der Anwendungs-Software vom Betriebssystem bzw. die Verwendung offener Standards bei der Implementierung und die Bereitstellung zielgruppen- und situationsgerechter Lösungen. Nicht jeder braucht und hat jederzeit einen Fat Client mit all den Anwendungs- und Ausbaumöglichkeiten, die moderne PC-Technologie heute bietet. Mit der zunehmenden Durchdringung der Alltagswelt mit PC-Technologie und Verwendung von Handys oder Spielkonsolen für den Internet-Zugang ändert sich auch die Wahrnehmung, was einen Client ausmacht." Obwohl sich Big Blue in den vergangenen Jahren stets als Linux-Company präsentierte, verstand niemand, warum die eigene Groupware Lotus Notes nicht für Linux bereitgestellt wurde. Zwar gab es den Lotus- Domino-Server auf Linux, der Client aber war nicht verfügbar. Den Kundenanfragen nach einem Notes-Client entsprach IBM im Juli 2006. Lotus Notes für Linux ist mit einer Basistechnologie ausgestattet, die es ermöglicht, Lotus Notes nativ auf Linux-Arbeitsplätzen einzusetzen. Für Kunden mit Lotus-Infrastruktur fällt somit eine Migrationshürde weg. Verantwortung für Fehler übernehmen
Hersteller proprietärer Software sollten sich verantwortlich zeigen, wenn Viren oder Bugs auftreten. Doch nur wenige - wie manche ERP-Anbieter - liefern den Sourcecode stets mit; meist kann der User ein proprietäres Programm weder prüfen noch verändern. Da er es weder lesen noch verstehen kann, ist er nicht in der Lage, abzuschätzen, ob es fehlerbehaftet und gefährlich ist. Bei Open Source dagegen kann jeder Probleme rasch erkennen und gegebenenfalls sofort beheben. Insbesondere bei großen Projekten mit vielen beteiligten Programmierern werden Patches nach bekannt gewordenen Fehlern schnell bereitgestellt. Für den durchschnittlichen Firmenkunden indes sind die bereitgestellten Patches genauso rätselhaft wie bei proprietärer Software. Er benötigt einen Dienstleister, der ihm die benötigten Updates einspielt. Die großen Distributions-Anbieter wie Red- Hat und SUSE Novell erledigen das im kostenpflichtigen Abonnement automatisiert für Desktop und Server. Für den in Deutschland besonders verbreiteten SUSE Linux Enterprise Server 10 regelt etwa ein kostenpflichtiger Wartungsvertrag, dass dem Firmenkunden getestete Upgrades von Novell zur Verfügung gestellt werden. Aber Novell geht mit Novell Integrated Services auf Wunsch noch wesentlich weiter: "Unternehmen sind beim Einsatz von Open Source manchmal nach wie vor verunsichert, da sie befürchten, keinen Support zu erhalten. Genau hier setzt Novell mit einem breiten Partner-Ecosystem und weltweitem Support an. Und da die Linux-Entwicklung von Novell zu einem großen Teil in Nürnberg sitzt, profitieren besonders die Kunden im deutschsprachigen Raum vom deutschsprachigen Support", sagt Rainer Downar, Area General Manager bei Novell Central Europe. Möchte sich der Open-Source-Anwender noch nicht einmal mit dem Betrieb auseinandersetzen, erledigen auch das Dienstleister für ihn. Allein die Anbieterdatenbank des Linux-Verbandes verzeichnet, nach Themenschwerpunkt, Tätigkeitsbereich, Branchen- Erfahrung und Postleitzahl geordnet, Hunderte von kleinen und großen Open- Source-Dienstleistern. Per Feineinstellung lässt sich ein Groupware-Spezialist finden, der Trainings in diesem Bereich anbietet. Oder ein auf offene CRM-Systeme spezialisiertes Unternehmen, das eine passende freie Lösung identifiziert und implementiert. Auf Dauer werden aber vor allem Dienstleister erfolgreich sein, die den Balance-Akt zwischen proprietärer und offener Architektur beherrschen. Open Source wird durch SOA noch attraktiverRüdiger Spieß, Independent Vice President Enterprise Applications bei der IDC Central Europe GmbH, geht davon aus, dass Service- orientierte Architekturen (SOA) Open Source noch attraktiver machen werden: "Wir erwarten auch, dass die Einführung von SOA die Akzeptanz und Nutzung von OS weiter beschleunigen wird, da sich Anwender die besten Komponenten heraussuchen können und mit proprietären Komponenten zusammenfügen werden. Insofern ist die Strategie der SOA-Herstellerfront zweischneidig: Einerseits können sie sich als Innovator darstellen, andererseits öffnen sie damit OS-Komponenten Tür und Tor." IBM propagiert SOA und Open Source gleichermaßen. Für Großkunden steht IBM Global bereit, und KMU bedient Big Blue mit einem Partnernetzwerk. Dr. Neumann erläutert: "Wir sind anerkanntes Mitglied der Open Source Community und auch im Linux-Feld angebotsseitig breiter aufgestellt als unsere Mitbewerber. Speziell für mittelständische Interessenten können wir mit Hilfe unseres großen Partnernetzwerkes für nahezu jeden IT-Bedarf die richtige Lösung finden. Über 50 Partner von IBM in Deutschland haben sich als ,Leader for Linux' zertifiziert." Tipps zu Open Source
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